



Der Nandu (Rhea americana) ist ein flugunfähiger Vogel aus Südamerika. Er gehört zur Ordnung der Laufvögel (Struthioniformes). Zusammen mit dem Darwin-Nandu (Pterocnemia pennata) bildet er die Familie der Nandus (Rheidae). Zur Unterscheidung von diesem wird er verdeutlichend auch als Echter oder Großer Nandu bezeichnet.
Merkmale
Mit einer Scheitelhöhe von 1,25 bis 1,40 m (Rückenhöhe etwa 1 m) und einem Gewicht von 20 bis 25 kg ist der Nandu der größte Vogel der Neuen Welt. Dies betrifft vor allem die Männchen, denn wie beim Strauß sind auch beim Nandu die Hähne im Durchschnitt etwas größer als die Hennen. Nandus haben ein lockeres, zerfleddert aussehendes Federkleid und besitzen die größten Flügel aller Laufvögel. Die Beine sind lang und kräftig, während die Füße im Gegensatz zu Straußen, drei Zehen besitzen. Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h. Nandus können auch gut schwimmen.
Das Gefieder ist grau oder braun, zwischen den Individuen variiert die Farbgebung stark. In der Regel sind Männchen etwas dunkler und größer als Weibchen, was aber kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal ist. Albinos tauchen auffällig häufig auf. Die einzelnen Unterarten werden vor allem durch die Anteile schwarzer Federn an der Halsbefiederung unterschieden.
Verbreitung und Lebensraum
DasVerbreitungsgebiet erstreckt sich von der Pampa, dem Grasland im zentralen Argentinien und Uruguay, über den Gran Chaco bis in den Nordosten von Brasilien. Nandus bewohnen Savannenhabitate, fehlen also in Wäldern. Im Gegensatz zum Darwin-Nandu ist der Große Nandu ein Bewohner des Flachlands, der große Höhen meidet. Ebenso meidet der Große Nandu kalte Klimazonen und kommt südlich des 40. Breitengrads nicht mehr vor. Der Nandu ist laut IUCN "gering gefährdet".
Lebensweise
In der Regel sind Nandus tagaktive Vögel. Nur an außergewöhnlich heißen Tagen verlegen sie ihre Aktivität teilweise auch in die Nacht, um während der größten Sonnenhitze ruhen zu können. Sie sind gesellige Vögel, die außerhalb der Fortpflanzungszeit in Gruppen von 5 bis 30 Individuen leben (Hähne, Hennen und Jungtiere). Alljährlich zur Fortpflanzungszeit lösen sich die Verbände auf, und die Hähne werden territorial. Manche alte Männchen kehren anschließend nicht mehr in die Gruppen zurück, sondern leben auch außerhalb der Fortpflanzungszeit als Einzelgänger. Innerhalb der Gruppen wird zwischen den Individuen auf einen Mindestabstand geachtet. Kommen zwei Tiere einander zu nahe, wird durch Vorstrecken des Kopfes mit geöffnetem Schnabel und einem Zischlaut der jeweils andere zum Zurückweichen aufgefordert.
Ernährung
Nandus sind Allesfresser. Sie bevorzugen breitblättrige Pflanzen, fressen aber auch Samen, Früchte, Wurzeln, Insekten und kleine Wirbeltiere. Dass sie auch Giftschlangen erbeuten, ist ein immer wieder geäußertes Gerücht, das aber keinen Wahrheitsgehalt hat. Ihren Wasserbedarf decken Nandus weitgehend aus dem Flüssigkeitsgehalt ihrer Nahrung, müssen also selten bis gar nicht trinken. Wie andere Laufvögel schlucken Nandus regelmäßig Gastrolithen, um die Nahrung im Magen zu zerkleinern.